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The Internet’s own Boy: The Story of Aaron Swartz

Ich bin durch Zufall bei meinem Sreaming-Provider auf diese Dokumentation über Aaron Swartz gestoßen und da ich weiß, wer dieser junge Mann war und wie viel wir ihm zu verdanken haben, musste ich sie mir einfach ansehen.

Für die, die nicht wissen, wer dieser Mann war hier ein kurzer Abriss über sein Leben:
– er wurde am 8.11.1986 geboren
– mit grade einmal 14 Jahren war er Co-Author der RSS-Spezifikation 1.0
– er war Mitbegründer von Infogami, was später in Reddit aufging
– er war an der technischen Umsetzung des Lizensmodells “Creative Commons” beteiligt
– er war technischer Leiter von Open Libary
– 2008 verfasste er das “Guerillia Open Access Manifest”
– 2010 war er maßgeblich an der Vereitelung von SOPA und PIPA beteiligt
– 2011 wurde Swartz angeklagt 4,8Mio. Artikel aus der kostenpflichtigen Wissenschaftsdatenbank JSTOR runtergeladen zu haben
– am 11.01.2013 wurde er tod in seiner Wohnung in Brooklyn aufgefunden (Suizid)

Nachdem ich die Dokumentation gesehen habe herrscht in mir ein Chaos an Gefühlen. Trauer, Unverständniss, Wut, Ratlosigkeit aber auch gleichzeitig Hoffnung vermischen sich und ich bin immernoch den Tränen nahe.
Trauer darüber, dass ein genialer Kopf wie er es war nicht mehr unter uns weilt.
Unverständniss und Wut über die Regierungen, das MIT, bestimmte Gesetze und über Ermittungsbehörden. Ich kann es nicht verstehen, wie ein junger Mann, dafür das Richtige zu tun, vom FBI über Jahre terrorisiert werden kann und wie man ihn dafür, sich auf legalem Weg, Wissen zu beschaffen über 35 Jahre Haft androhen kann, indem man ihm unterstellt es veröffentlichen zu wollen. Gleichsam macht es mich wütend, dass auf dem Weg ein Exempel seitens einer Regierung an ihm statuiert werden sollte, weil diese alten Säcke im US-Kongress angst davor haben, das Wissen, welches ihnen und Konzernen zur Macht verhilft, öffentlich zugänglich im Internet zu sehen und deswegen vor dem Internet angst haben. Das MIT, in dessen Räumen Aaron Swartz diese Artikel runtergeladen hatte, hat auch einfach die Augen vor den Ermittlungen und allem drum herum verschlossen und sie waren die Einzigen, deren Wort, Swartz noch hätte helfen können. Dabei ist das MIT doch ein Hort für Hacker und Hacktivisten und bietet in Wochenendkursen sogar das Knacken von Schlössern an.
Ratlosikeit was man denn noch machen kann damit endlich eine Utopie real wird: ein freies, unzensiertes, weltweites Netz, in dem jegliches Wissen frei zugänglich ist.
Und die Hoffnung, dass Swartz mit seinem Leben genug andere Menschen inspiriert es ihm gleich zu tun und sich dafür einzusetzen.
Oder um es mit den Worten von Tim-Berners Lee (der Erfinder des World Wide Web) zu sagen: “Er hat gekämpft, er hat gebloggt, er hat gehandelt. Tut, was Aaron tat!”

Abschließen möchte ich das Ganze mit, Aarons wohl bedeutsamster Hinterlassenschaft, dem Guerilla Open Access Manifest (deutsche Übersetzung):

Information ist Macht. Und wie bei jeglicher Macht gibt es jene, die sie für sich behalten wollen. Das komplette wissenschaftliche und kulturelle Erbe der Welt, über Jahrhunderte in Büchern und Fachzeitschriften veröffentlicht, wird mehr und mehr von einer Handvoll privater Konzerne digitalisiert und weggeschlossen. Möchtest du die Papers mit den bekanntesten wissenschaftlichen Ergebnissen lesen? Dann musst du enorme Summen an Verleger wie Reed Elsevier senden.

Einige Leute wehren sich, um dies zu ändern. Die Open-Access-Bewegung kämpfte tapfer um dafür zu sorgen, dass Wissenschaftler ihre Urheberrechte nicht abgeben, sondern stattdessen sicherstellen, dass ihre Arbeit im Internet veröffentlicht ist, unter Bedingungen, die jedem darauf Zugriff erlauben. Aber selbst im besten Fall wird sich ihre Arbeit nur auf zukünftig veröffentliche Werke auswirken. Alles vor dem jetzigen Zeitpunkt wird verloren sein.

Dieser Preis ist zu hoch. Akademiker zwingen, für das Lesen der Arbeiten ihrer Kollegen Geld zu bezahlen? Komplette Bibliotheken scannen, aber nur Google-Angestellten erlauben, sie zu lesen? Studenten von Elite-Universitäten der Ersten Welt wissenschaftliche Artikel bereitstellen, aber nicht für Kinder im globalen Süden? Es ist abscheulich und inakzeptabel.

»Ich stimme zu,« sagen viele, »aber was können wir tun? Den Firmen gehören die Urheberrechte, sie machen durch die Zugriffsgebühren enorm viel Geld, und alles ist vollkommen legal – wir können nichts tun, um sie zu stoppen.« Aber wir können etwas tun, etwas was bereits getan wird: Wir können zurückschlagen.

All jene, die Zugriff auf diese Ressourcen haben – Studenten, Bibliothekare, Wissenschaftler – euch wurde ein Privileg gegeben. Ihr könnt an diesem Bankett des Wissens speisen, während der Rest der Welt ausgesperrt ist. Aber ihr müsst dieses Privileg nicht – tatsächlich könnt ihr es moralisch nicht – für euch selber behalten. Ihr steht in der Pflicht, es mit der Welt zu teilen. Und ihr macht es bereits: Passwörter an Kollegen weitergeben, Sachen für Freunde herunterladen.

Währenddessen bleiben die Ausgesperrten nicht einfach untätig. Ihr seid durch Löcher geschlüpft und über Zäune geklettert, habt die von Verlegern weggeschlossene Information befreit und sie mit euren Freunden geteilt.

Aber all dies läuft im Dunkeln ab, versteckt im Untergrund. Es wird Diebstahl und Raubkopieren genannt, als ob das Teilen eines Wissensschatzes das morale Äquivalent zu einer Schiffsplünderung und Ermordung der Crew wären. Aber Teilen ist nicht unmoralisch – es ist ein moralischer Imperativ. Nur jene von Habgier geblendeten würden einem Freund verweigern, eine Kopie zu erstellen.

Große Konzerne sind natürlich von Habgier geblendet. Das ist bedingt durch die Gesetze, unter denen sie agieren – ihre Shareholder würden sich mit weniger nicht zufrieden geben. Und ihre gekauften Politiker verteidigen sie; erlassen Gesetze, welche ihnen die exklusive Entscheidungsmacht geben, wer Kopien anfertigen darf.

Es ist keine Gerechtigkeit, ungerechte Gesetze zu befolgen. Es ist Zeit, ins Licht zu gehen und, in der großen Tradition zivilen Ungehorsams, unseren Widerstand gegen diesen kulturellen Diebstahl an der Öffentlichkeit zu verkünden.

Wir müssen Information nehmen, egal wo sie gespeichert ist, unsere Kopien machen und diese mit der Welt teilen. Wir müssen Sachen nehmen, deren Urheberrecht abgelaufen ist und es zum Archiv hinzufügen. Wir müssen geheime Datenbanken kaufen und diese online stellen. Wir müssen wissenschaftliche Fachzeitschriften herunterladen und sie auf File-Sharing-Seiten hochladen. Wir müssen für Guerilla Open Access kämpfen.

Mit genügend von uns, weltweit, werden wir nicht nur eine starke Botschaft gegen die Privatisierung von Wissen senden – wir werden es vollständig abschaffen. Wirst du dich uns anschließen?

Aaron Swartz
Juli 2008, Eremo, Italien

In diesem Sinne: Ich bin für freie Informationen und freies Wissen!

Ruhe in Frieden und auf dass du eines Tages stolz auf deine Hinterlassenschaften blicken kannst, Aaron Swartz.


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Comment (1)

  1. Samula Okinawa said on 21-08-2015

    R.I.P

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