Anonym im Netz Schütze Deine Identität
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38_021022_nigerianemailmain.jpg.CROP.original-originalJeder kennt die berühmten Mails, in denen ein nigerianischer Prinz mal wieder ein paar Millionen zu verteilen hat oder eine hübsche junge Frau unbedingt jemanden als Lebenspartner sucht. Und beide haben natürlich ausgerechnet den Mailempfänger ausgewählt, weil er so vertrauenswürdig ist, obwohl sie ihn ja noch garnicht kennen. Doch die Online Abzocker haben auch neuere Tricks, mit denen sich immernoch genug Opfer finden lassen.

Romance Scam (Liebesabzocke)

Per E-Mail, in Facebook oder auf einer beliebigen Datingseite kontaktiert Sie auf einmal eine bildhübsche junge Frau (oder, falls sie weiblich sind, ein gutaussehender Mann im Anzug mit hochangesehenem Job wie Pilot, Rohstoffhändler, internationaler Manager)? Dieser Traumpartner verliebt sich auch noch blitzschnell und unsterblich und möchte am liebsten sofort eine lebenslange Beziehung? Vermutlich möchte er wirklich nur Ihr Besstes – und zwar Ihr Geld.

Dating Seiten, aber auch Facebook und andere Onlinecommunities sind voll von Fakeprofilen. Dahinter stecken meist ganze Banden, die diese Abzocke geradezu industriell betreiben. Viele haben ihren Sitz in westafrikanischen Ländern wie Nigeria und Ghana und spezialisieren sich auf europäische Opfer. Aber auch in Malaysia und Indonesien sitzen Scammer, die sich z.B. ihre Opfer in Thailand suchen. Das Geschlecht des Fakeprofils passt natürlich immer zu den Vorlieben des Opfers. Hier werden zunehmend vor allem ältere Menschen geködert, die die Technik und die Gefahren des Internets nicht so gut kennen.

karendreams

Sie glauben, mit dieser Frau zu flirten? Es ist in Wirklichkeit das kanadische Modell “Karen Dreams”

 

Die Geschichten sind immer ähnlich:

Eine hübsche Frau, die eigentlich aus Amerika oder Europa stammt, lebt in Afrika oder ist dort zu Besuch. Sie arbeitet z.B. für eine Mission, eine NGO oder treibt dort Handel. Sie bevorzugt natürlich westliche Männer und möchte einen Lebenspartner finden. Nach ein paar Tagen Chat hat sie sich bereits in Sie verliebt. Recht schnell merkt man aber, dass sie finanziell nicht sehr gut aufgestellt ist und Ihre Hilfe braucht.

  • Das Internetguthaben ihres Smartphones ist aufgebraucht. Dieses können Sie Ihr online kaufen.
  • Sie würde gerne eine Webcam kaufen, um mit Ihnen zu skypen.
  • Die Installation der Webcam muss ein kostenpflichtiger Techniker durchführen.
  • Der Rechner ist zu schwach für eine Webcam, ein neuer Rechner muss her.

Die Geldforderungen sind anfangs klein, um zu testen ob das Opfer überhaupt Geld schickt. Tut es das, werden die Forderungen immer höher.

Das Geld kann man bequem per Western Union schicken oder teilweise auch auf ein afrikanisches Konto (“eines Freundes”) überweisen. Es soll auch schon einige Scammer geben, die Bitcoins akzeptieren.

Hat sich das Opfer erst verliebt, so passieren Unfälle oder die Frau wird verhaftet und kann sich nur mit Hilfe des Opfers freikaufen. Um nach Europa zu kommen und bei Ihrem Traumpartner für immer zu wohnen, müssen haufenweise Papiere beantragt werden, die alle Geld kosten. Und schliesslich braucht sie Geld für das Flugticket, bevor sie den Flug wegen eines Unglücksfalls nicht antreten kann.

Kurzum, die Geldforderungen hören erst auf, wenn das Opfer total pleite ist oder den Schwindel bemerkt. Aber selbst dann werden bis zum Schluss Lügengeschichten aufgetischt und alles abgestritten. Findet man die wahre Identität der Personen auf den Bildern heraus, so wird behauptet jemand hätte ihre Identität gestohlen. Die Scammer haben nichts zu verlieren und viele Opfer glauben einfach alles, schon weil sie den Verlust ihres Geldes nicht akzeptieren wollen. “Nur noch einmal Geld schicken, dann wird alles gut!”

Wer glaubt, dass nur Männer auf soetwas hereinfallen, irrt sich gewaltig. Speziell für Frauen wird ein Fakeprofil eines gutausehenden Mannes, meist im Anzug, erstellt, der unheimlich viel Geld verdient aber leider keine Zeit für die Liebe hat. In das Opfer verliebt er sich aber sofort und verspricht seine Traumfrau gleich nach der Geschäftsreise nach Afrika zu besuchen und sie danach mit in seine Luxsvilla zu nehmen und zu heiraten. Leider ereignet sich in Afrika ein Unfall oder er wird verhaftet und kann gerade nicht auf sein Vermögen zugreifen. Hilft ihm die Angebetete per Western Union aus, so wird er alles doppelt zurückzahlen und ihr ewig dankbar sein.

Wie bemerkt man es?

  • Gesunde Vorsicht walten lassen. Leichter gesagt als getan, Liebe macht unglaublich blind. Manche Opfer sehen die Wahrheit nicht obwohl glasklar alle Alarmzeichen gegeben sind. Auch dem Rat von Freunden wird nicht geglaubt.
  • Macht der Partner beim Chat oft Pausen und schreibt belangloses Zeug? Meist chattet der Scammer mit mehreren Opfern gleichzeitig und ist nicht immer voll konzentriert.
  • Verwechselt er oft Ihren Namen? Auch hier kommt er mit dem Multitasking nicht zurecht.
  • Ist der Chatpartner ungewöhnlich religiös?
  • Achtung, eine Webcam Session ist kein Echtheitsbeweis. Mit Tools wie Fake Cam oder Splitcam kann man Videos als Webcamstream ablaufen lassen (z.B. Videos von Erotikmodellen). Fordern Sie den Partner auf interaktiv zu werden (“Winke mal!”) so wird die Kamera unerwartet einfrieren (er stellt das Video auf Pause).
  • Fallen ihm oder ihr tausend Gründe ein, warum Sie ihn oder sie nicht in Afrika besuchen kommen können?

Was kann man tun?

  • Kein Geld schicken. Niemals und unter keinen Umständen.
  • Keine eigenen Videos oder Fotos senden, vor allem keine Nacktbilder oder ähnliches, man könnte erpresst werden. Ausserdem könnten die eigenen Bilder für das nächste Fakeprofil verwendet werden und so werden Leute von jemanden betrogen der vermeintlich wie Sie aussieht!
  • Den Kontakt sofort abbrechen.

Advance Fee Fraud (Betrug mit im voraus fälligen Gebühren)

Hier wird darauf gesetzt, daß Gier statt Liebe das Hirn vernebelt. Ein Bankier oder eine andere reiche Person irgendwo auf der Welt braucht unbedingt Ihre Hilfe um Geld beseite zu schaffen z.B. weil ein Kunde verstorben ist, der zufällig Ihren Namen trägt und sich kein Erbe findet. Für Sie ist das total ohne Risiko, denn Sie bekommen das Geld zuerst auf Ihr Konto, bevor Sie es mit der anfragenden Person teilen sollen. Er ist also auf Ihre Ehrlichkeit angewiesen.

In Wirklichkeit existiert dieses Geld aber natürlich garnicht. Bevor es angeblich auf Ihr Konto überwiesen werden kann, kommt es immer wieder zu Problemen, die nur durch Bestechung oder anderweitig mit Geld gelöst werden können. Dieses Geld sollen Sie erstmal nach Afrika schicken, später können Sie es doppelt oder dreifach von Ihrem Anteil einbehalten. Und was sind schon ein paar tausend Euro, wenn man ein paar Millionen in Aussicht hat?

Diese Masche gab es schon lange vor dem Internet, sie wurde damals per Briefpost ausgeführt. Aber scheinbar finden sich auch heute noch Opfer.

Der Erstkontakt ist bei allen Scammern nicht immer sehr professionell. Dies ist aber Absicht. Man will aufmerksame und intelligente Empfänger so schnell wie möglich herausfiltern. Diese würden niemals Geld schicken. Eine lange Konversation ist aber für den Abzocker aufwendig und kostet viel Zeit. Bringt diese keinen Erfolg in Form von Geld, hat er umsonst gearbeitet.

Scam – Runde zwei

Hat das Opfer den Schwindel bemerkt und den Kontakt abgebrochen? Konfrontiert man den Scammer damit, daß man ihn durchschaut hat, kann es sein dass man ganz am Ende aller Lügen auch noch Todesdrohungen erhält. Das ist nicht jedermanns Sache. Allerdings kann man einige Wochen oder Tage nach dem Vorfall erneut kontaktiert werden.

Der Scammer wurde angeblich verhaftet und es wurde eine Menge Geld sichergestellt. Hoffnung keimt beim Opfer auf, seine Verluste zumindest teilweise wieder erstattet zu bekommen. Aber in Wirklichkeit ist der vermeintliche Kontakt bei der Polizei nur ein neuer Scammer (oder vielleicht sogar derselbe wie beim ersten Mal). Bevor das sichergestellte Geld erstattet werden kann, muss das Opfer erneut Vorkasse leisten – und vergrössert seinen Schaden damit nur noch.

Wie verbergen die Täter Ihre Identität?

Zwar könnten die Täter Proxies oder VPN benutzen, dies ist aber in afrikanischen Ländern meist garnicht nötig. Sie operieren dort ganz offen in Internetcafes. Es ist durchaus denkbar, dass die örtliche Polizei bescheid weiss und einen Anteil kassiert. Geld wird meist per Western Union entgegengenommen. Entweder stecken die Angestellten vor Ort mit den Tätern unter einer Decke, oder das Geld wird mit gefäschten Ausweisen abgeholt. Eventuell sind die Kontrollen dort auch nicht so streng. Teilweise werden Hotels und Pensionen zur Empfang von Post verwendet.

Wer der englischen Sprache mächtig ist kann auf 419eater.com viele Beispiele finden. (§419 beschreibt in Nigeria genau diese Straftat)

Scamming – Online Abzocke
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